Perfekte Fellpflege für jedes Fell

 

Unterwolle – und wie man tote Unterwolle richtig auskämmt

Hunde wie Schäferhunde, Treibhunde, Retriever, Setter u.v.a., haben ein zweischichtiges Fell: sogenanntes Stockhaar: Raue Schale, weicher Kern. Das Deckhaar ist meist fest und glänzend, die Unterwolle, die als Klimaregulator dient, wird damit abgedeckt. Die Unterwolle wächst schneller als das Deckhaar und stirbt nach einer Wachstumsphase ab. Es kann dabei sowohl ausflocken, wie bei Wölfen, Schakalen und Füchsen als auch im Fell unter dem schützenden Deckhaar stecken bleiben und mit der Zeit verfilzen. Abgestorbene Unterwolle – und ich rede hier nur von abgestorbener Unterwolle – muss regelmäßig ausgebürstet werden. Bürsten sind in diesem Fall sogenannte Coater und Slickerbrushes – also Metallstriegel und Drahtbürsten, in verschiedenen Ausführungen. Eine billige Slickerbrush behandelt das Haar anders als eine hochwertige, teurere Slickerbrush. Ich verwende in meinem Salon die teuren aber hochwertigen Slickerbrushes von ActiVet. Sie haben abgerundete Edelstahlborsten wodurch Haar und Haut optimal geschont werden. Das Entfilzen verläuft für den Hund besonders schonend und dabei sehr wirksam.

Sehr vorsichtig gehe ich mit dem vielgepriesenen FURMINATOR um. Der FURMINATUR entfernt Unterwolle wirklich radikal. Bei falscher Anwendung zu radikal, denn durch seine enge Zahnung verleitet der FURMINATOR bei falscher Anwendung dazu, viel zu viel Unterwolle aus dem Fell zu holen und damit die Produktion von Unterwolle erst so richtig anzuregen, was zu einem Teufelskreis führen kann. Wenn ich den FURMINATOR verwende, dann nehme ich ihn nur mit drei Fingern und arbeite mit möglichst wenig Druck. Für Zwischendurch und langem Fell reicht meist ein guter Edelstahlkamm. Edelstahlkämme gibt es in vielen Größen, sodass man für jedes Fell den passenden Kamm findet. Ich selbst ziehe ganz normale Metall-Kämme ohne Griff allen anderen Kammversionen vor, weil man damit etwaige Knötchen oder Verfilzungen viel besser spüren und damit dem Hund nicht wehtun kann. Dieses ganz normale Auskämmen beruhigt die Haut und nimmt nur das wirklich tote Unterfell mit. Bei Hunden wie Labradors, Rottweilern und anderen relativ kurzhaarigen Stockhaar-Hunden kann der FURMINATOR bei schonender Anwendung aber sehr gute Dienste leisten.

Richtige Fellpflege heißt, die Funktionen des Fells optimal aufrecht zu erhalten bzw. zu verbessern, und zwar so schonend wie möglich und für den Hund so angenehm wie möglich. Also: Der stockhaarige Hund braucht seine Unterwolle. Ausgekämmt werden muss nur die tote Unterwolle, ehe sie zu einer Matte verfilzt. Das Fell unserer Haushunde erneuert sich während des gesamten Jahres, weil es vor allem während des Winters mit enormen Temperaturschwankungen bis zu 30° C zurecht kommen muss. Vor allem Schäferhunde und Golden Retriever neigen stark zum dauerhaften Haaren. Und gerade bei diesen beiden Rassen sollte man das Auskämmen der Unterwolle nicht allzu sehr übertreiben um die Produktion der Unterwolle nicht noch mehr anzuregen.
Stockhaar (Retriever & Co.) darf NIEMALS geschoren werden!

 

 

Das Trimmen – Wahrheiten, Unwahrheiten, Täuschung

Das sehr widerstandsfähige Rauhaar (wie bei Rauhaardackel, Schnauzer, Border-Terrier, Cairne-Terrier; West Highland Terrier, Norfolk- und Parson Jack Russel Terrier sowie bei allen Mischlingen mit diesen Arten) unterliegt während seines Wachstums einer permanenten Erneuerung. Das alte Haar wird durch neues Haar ersetzt und wird abgestoßen. Es fällt aber nicht einfach aus, sondern bleibt im nachgewachsenen Fall stecken. Bis zu einem gewissen Grad lässt sich dieses lose Haar auskämmen, hauptsächlich aber muss es ausgetrimmt werden. Trimmen nennt man nicht das Ausreißen von Haar, sondern das völlig schmerzlose und für den Hund eher angenehme Auszupfen des toten Haares.

Wie wird getrimmt?

Das tote, mit der Haut des Hundes nicht mehr verwurzelte, im Fell steckende Haar ist völlig lose und ragt mit seinen Spitzen aus dem nachgewachsenen Fell. Das kann nicht nur ein Profi erkennen, das sieht jeder, der genau hinschaut ganz deutlich. Trimmen bedeutet nun nichts weiter, als dieses tote lose aus dem Fell herausragende Haar aus dem Fell zu ziehen, es auszuzupfen. Man kann das ganz einfach mit bloßen Fingern tun, man kann sich’s ein bisschen leichter machen, indem man Gummi-Fingerlinge oder ein Stück des bekannt rauen Bimssteins zur Verbesserung der Funktion des Auszupfens verwenden. Das ist alles. Ich gebe zu, es ist ein langwieriger Prozess und für den Groomer stinkfad. Für die Hunde ist es eher angenehm und mitunter schlafen sie sogar dabei ein.

Unwahrheiten über das Trimmen und das Vortäuschen falscher Tatsachen liegen sehr eng beisammen: Unwahr ist, dass das Trimmen ein Kürzen oder gar ein Ausreißen von Fell bedeutet. Im Gegenteil: Getrimmt werden darf immer erst, wenn das Fell reif dazu ist. Das heißt, dass genügend abgestorbenes Haar im Fell vorhanden sein muss, ehe getrimmt wird. Das ist normalerweise etwa alle drei bis vier Monate der Fall. Hält man sich an diesen Zyklus, entsteht das was man ein Rolling Coat nennt. Das Trimmen ist dann immer sehr einfach und für den Hund in keiner Weise unangenehm. Im Endstadium dieses Zyklus kann das Fell des Hundes natürlich ein bisschen struppig aussehen, das ist ähnlich wie wir kurz vor dem Friseurtermin. Also kein Problem.

Die Täuschung beginnt dort, wo der Mensch seinen Rauhaarigen vor dem richtigen Trimmzeitpunkt in den Hundesalon bringt, weil er ihn „schön“ haben will. In einem seriösen Salon wird man das ablehnen und einen etwas späteren, den richtigen Zeitpunkt empfehlen. Leider gibt es Leute, die das unreife Trimmfell einfach mittels Trimm-Messer nicht auszuzupfen, sondern einfach kürzen oder gar die Schermaschine zum Einsatz bringen. Hinterher sieht der Hund zwar hübsch und gepflegt aus, aber das geht auf Kosten seiner Fellgesundheit und des biologisch wichtigen und gesunden Rolling Coats. Leider ist dieses Täuschungsmanöver gang und gäbe und bei ahnungslosen Hundehaltern sogar gesellschaftsfähig. Es sollte besser unter Strafe gestellt werden, weil es das Fell ruiniert und dessen Schutzfunktion stört, bzw. zerstört.
Rauhaar darf NIEMALS geschoren werden!

 

Das einfache Fell

Das „einfache“ Fell, kann ganz schön kompliziert (sprich: anspruchsvoll) sein. Einfach bedeutet in diesem Fall: Fell ohne Unterwolle, ohne Deckhaar. Einfach wird es nur genannt, weil es nicht mehrschichtig ist, wie z.B. Stockhaar oder Rauhaar. Es wächst einfach und gnadenlos vor sich hin und muss intensiv gepflegt werden, weil es dazu neigt, zu verfilzen, wenn man ihm diese Pflege nicht angedeihen lässt. Das tut dem Hund sehr bald weh und kann ihn in seiner Bewegungsfreiheit einschränken. Das heißt: JEDEN Tag sanft durchkämmen! So zeigt man seine Liebe zum Hund – und nicht durch Leckerchens den ganzen Tag. Malteser, Havaneser, Baumwollhunde, Bichon Frises, Pudel, Wasserhunde aller Spielarten und die derzeit so in Mode gekommenen Doodles verschiedenster Arten. Sie alle haben „einfaches“ Fell.

Glattes langes Fell muss geschnitten, resp. geschoren werden. Schneiden bedeutet, das Hundehaarkleid mit der Schere zu bearbeiten: Clippschere, Haarschneideschere, Modellierschere oder Effelierschere. Modellier- und Effelierschere werden meist auch zum Ausdünnen bestimmter Fellregionen und für die Feinarbeit an den Ohren, Augen und um die Intimzonen des Hundes verwendet. Es gibt einige Hunderassen, die nur mit der Schere geschnitten (oder besser gesagt façonniert) werden dürfen, weil ihr Harr lang bleiben soll: Australian Silky Terrier, Kerry Blue Terrier, Yorkshire Terrier usw. Auch Hunde mit seidigem Fell müssen in Abständen von 3-4 Monaten geschnitten werden: Bichon-Frisé, Malteser, aber vor allem auch Lhasa Apso, Setter, Afghane, Pekingese usw. Diese Hunderassen, also jene mit langem oder einfachem Fell, wie z.B. der Malteser, Lhasa Apso, Tibet Terrier müssen JEDEN Tag durchgekämmt werden, weil das Fell sonst sehr schnell verfilzt.

Hunde mit einfachem gelocktem Fell müssen regelmäßig gepflegt, und geschoren, resp. geschnitten werden: Bürsten (bitte nur mit den speziellen Hundebürsten) und Kämmen täglich, Baden alle 4-6 Wochen und Fellkürzen durch Schnitt oder eine nicht zu kurze Schur. Ein „Profi“, der/die Ihnen einen „kurzen Sommerschnitt“ anbietet, damit es dem Hund in der warmen Jahreszeit nicht zu heiß wird, ist kein Profi, sondern ein Ahnungsloser: Der Wärmeaustausch bei Hunden erfolgt nicht über den Körper (resp. das Fell) sondern über die Pfotenballen und über das Hecheln. Zu kurz geschnittenes Fell, setzt den Hund viel mehr der Sonne und ihren UV-Strahlen aus als länger gehaltenes Fell.

Quelle: www.hundesalonbreitenfurt.at